Wie kam es zur Gründung des Vereins?

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Die Pädagogin Eva Biard war 2007/2008 in Bolivien und arbeitete über den internationalen Verein Projects Abroad für ein Jahr im Kinderheim "Ciudadela" in Cochabamba, der viertgrößten Stadt Boliviens. Die Lebensbedingungen im Allgemeinen und die Alltagserfahrungen im Kinderheim gaben den Ausschlag, über die Zeit des Volontariats hinaus etwas Nachhaltiges für die Verbesserung der Lebenssituation der Kinder zu tun. Am Ende ihres Aufenthaltes in Bolivien gründete sie deshalb gemeinsam mit Freunden und Arbeitskollegen aus dem Saarland den Verein.

Alltagssituation vor Ort

Die Kinder der Ciudadela leben aus verschiedensten Gründen im Heim. Auffallend groß ist der Anteil der Kinder, die von ihren Eltern verlassen wurden, weil diese nicht mehr in der Lage waren, sie zu versorgen. Oft sind es mehrere Geschwister, die im Heim abgegeben werden. Viele Kinder wachsen als sogenannte Sozialwaisen auf. Es gibt Mütter oder Verwandte, die den Kontakt zu ihren Kindern im Heim halten, und es gibt Eltern, die den Kontakt abbrechen, weil sie beispielsweise in eine andere Region abwandern müssen oder keine Chance sehen, sich zu stabilisieren. Gelingt eine wirtschaftliche oder gesundheitliche Stabilisierung können die Kinder in ihre Familie zurückkehren. Die fehlende medizinische Grundversorgung, die unzureichende und schlechte Ernährung, das Nichtvorhandensein von Trinkwasser und Kanalisation führen dazu, dass neun von hundert bolivianischen Kindern das fünfte Lebensjahr nicht erreichen.

Die Ciudadela, in der unser Projekt 2008 startete, war eines von 74 Kinderheimen Cochabambas. Es lebten etwa 90 Kinder in mehreren Häusern, den sogenannten Casitas (Häuschen), auf dem Heimgelände. Mit ihrer langjährigen pädagogischen Erfahrung erkannte Eva Biard schnell zahlreiche alltägliche Probleme in den Casitas. Dies waren vor allem:

  • eine nicht funktionierende Wasserversorgung
  • schlechte hygienische Bedingungen
  • diverse Krankheiten (z.B. Läusebefall)
  • Mangel an Aufsichtspersonal
  • keine ausreichende pädagogische und emotionale Betreuung der Kinder
  • häufiges Alleingelassensein.

Mit wenigen Mitteln wurde von uns innerhalb des Heimgeländes eine kleine Schule eingerichtet. Den Namen "Escuelita de la Bienvenida - die kleine Schule, in der alle willkommen sind" haben die Kinder 2008 selbst erfunden. Innerhalb des ersten Jahres wurden folgende Maßnahmen realisiert:

  • Die Betreuung der Kinder durch Volontäre im ehemaligen Speisesaal
  • Die Renovierung und Instandsetzung eines Casitas im Gelände
  • Die Einstellung und Einarbeitung einer Pädagogin und einer Ärztin

Für die rechtlichen Voraussetzungen konnten wir auf die erfahrene Juristin Birgit Geigle zurückgreifen, die in Zusammenarbeit mit einem Rechtsanwalt aus Cochabamba Convenios (Vereinbarungen) zur Einstellung unserer Mitarbeiterinnen ausgearbeitete.

Die „Escuelita de la Bienvenida“  wurde ein von der Abteilung Kinder- und Jugendschutz der Stadt Cochabamba akzeptiertes, regierungsunabhängiges Projekt. Nach Evas Abreise nach Deutschland wurde die Escuelita ein weiteres Jahr von Birgit Geigle betreut.